Es ist fast schon Tradition - mal wieder sind Niels und Karsten unterwegs zu ihrer Sommer-Kajaktour. Diesmal ging es nach Småland an die schwedische Ostküste. Genauer gesagt: zum Stångån. Da unsere Zeit recht knapp ist (Niels fährt direkt nach dem Urlaub für 6 Monate nach Neuseeland und Karsten schreibt kurz vor der Fahrt seine allerletzte Klausur) haben wir uns eine etwas kürzere Tour vorgenommen. Der Stångån verläuft auf 160 km durch die schwedischen Provinzen Småland und Östergötland. Die Quelle liegt östlich von Vimmerby und die Mündung bei Linköping im See Roxen. Die Gegend um Vimmerby hat vor allem durch Astrid Lindgren Berühmtheit erfahren. Hier finden sich auch Orte wie Mariannelund und Lönneberga. |
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| Unsere erste Anlaufstelle ist die Turistinfo in Vimmerby. Dort erfahren wir Neuigkeiten vom Wasserstand und können die detaillierte Karte für den ersten Tour-Abschnitt kaufen (es gibt dort auch eine Gratis-Kanu-Karte, die taugt aber nur zur Übersicht!). Eine weitere Karte erwerben wir später in einer Buchhandlung. Als nächstes geht es zu Pippi's Hotellet. Der niedliche Hotelkomplex direkt am Stångån bietet selber Kanutouren an und ist somit bestens informiert. Wir erfahren, dass der Stångån derzeit ziemlich viel Wasser führt und es somit kein Problem sein sollte, ihn bereits nahezu von der Quelle aus zu befahren. Gerade dieser Punkt machte uns im vornherein Gedanken, da wir oft gelesen haben, dass man anfangs recht viel mit den Booten waten müsse. Zumindest die Infos über die Einsetzstelle und den Wasserstand sollten also vor der Tour erfragt werden. | |
Nach einem Einkauf der letzten Kleinigkeiten machen wir uns gut ausgerüstet auf den Weg zur Einsetzstelle. Diese liegt an dem See Ösjön und ist ein wenig schwierig zu finden. Falls Ihr auch eine Tour dorthin plant, dann könnt Ihr uns gerne nach einer genaueren Beschreibung ausquetschen (mail). Die Einsetzstelle ist perfekt ausgerüstet, man könnte locker mit etlichen Zelten übernachten und einen kleinen Parkplatz gibt es hier auch. Daher entschließen wir uns den Wagen für die Dauer der Tour hier stehen zu lassen. Schließlich wollen wir endlich lospaddeln: nach einigen Stunden packen und räumen, geht es dann auch wirklich los. Wir sind mal wieder unterwegs. |
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| Der Stångån zeigt sich auch gleich von seiner besten Seite. Das Wetter ist herrlich, das Wasser klar und ruhig. Scheinbar völlig naturbelassen schlängelt der Fluss sich durch die Landschaft - vorbei an großen Wäldern, Schilfufern und Seerosenflächen. Das kommt nicht von ungefähr: in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Norra Kvills Nationalpark - eine Art schwedischer Urwald inmitten von Småland. Die erste Nacht verbringen wir in einer Windschutzhütte. Im Kampf gegen die Mücken schaffen wir es sogar in der Hütte das Innenzelt unseres Tunnelzeltes aufzubauen - draußen war für das Zelt absolut keinen Platz. Die Hütte ist direkt an einen Felshang gebaut. |
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| Der nächste Tag zeigt uns mal wieder, wie abwechslungreich Schweden sein kann. Wir hatten so ungefähr jedes Wetter an diesem Tag: von Sonnenschein und Windstille bis Minuten später Sturzbäche vom Himmel niederprasseln. Eine der Schönwetterphasen nutzen wir sofort, um von einer Brücke aus schwimmen zu gehen. Als ich mich danach abtrockene, trete ich prompt rückwärts in eine Lücke der defekten Brücke. Niels sieht erschrocken, wie mein eines Bein durch die Brücke schießt - er ist noch im Wasser. Zum Glück habe ich mir nichts aufgerissen, das hätte ein jähes Ende der Tour bedeuten können. Nachher belohnt uns der Fluss jedoch mit so viel schöner Landschaft, dass wir den Schreck schnell überwinden. Nur einige Portagen lassen diesen Tag noch ein wenig anstrengend werden, der Regen kann uns jedenfalls nichts anhaben - wir sind gut eingepackt. | |
Nach einer Nacht umgeben von Pfadfindern + Zelten geht es weiter. Unsere Tour führt zuerst an Vimmerby vorbei, wo wir unser Trinkwasser auffüllen, und bringt uns zu den ersten größeren Seen. Das ist genau das, was Niels und ich lieben. Die Enge von Flüssen reizt uns beim Kanuwandern jedenfalls nicht so wie die Weite der schönen Seen Schwedens - und davon haben wir jetzt etliche. Abends lockt dann das herrliche Essen aus unserem Gaskocher. Am dritten Abend war dieses Essen jedoch besonders hart erkämpft: es fing damit an, dass der auf der Karte eingezeichnete Lagerplatz einfach nicht da war. Wir befanden uns mitten zwischen bewirtschafteten Wiesen und wussten nicht so recht wohin - man ist halt ein wenig verwöhnt von den anderen Rastplätzen in Schweden. |
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| Die nächsten Tage paddeln wir hauptsächlich auf Seen. Diese sind von Flussabschnitten mit Portagen verbunden. Der wohl genialste See mit dem besten Lagerplatz ist der Åsunden. Dort gönnen wir uns ein halben Tag ruhe und baden das erste Mal so richtig ausgiebig. Die darauffolgenden Tage sind wir stets auf den Weg nach Linköping und der Mündung des Stångån in den See Roxen. Auf unserer Fahrt sehen wir neben der standard Natur (verstreute Felsinseln, riesige Waldgebiete, sternenklare Nächte, Seeadler, Graureier, Wasserschlangen, etc.) auch erstaunliche Dinge, wie die FKK-Felsen auf dem See Jämtlunden und die beiden schwedischen Mädels, die an einer Badestelle ihr Handtuch lupfen, um uns mit Energie für den anstrengendsten Tag der Tour zu versorgen (38 km und 4 Portagen). Der Abschluss-Tag beschwerte uns schließlich nochmal 5 Protagen bis und in Linköping. Überglücklich erreichen wir dennoch den Roxen und können nur sagen: es hat sich wirklich gelohnt - ein sehr schönes Stück Schweden! | |
Da uns diese Tour so gut gefallen hat, haben wir noch sehr viel mehr Infos zu den einzelnen Etappen, Portagen und Rastplätzen zusammengestellt. Außerdem hat Niels ein komplettes Tagebuch über die Tour geschrieben. |
Karsten Peleikis